Wem gehört eigentlich das Wissen, dessen erlernen erklärtes Ziel ist? Der Person, die es erstmalig formuliert hat? Der Person, die es hinterfragt und damit weiterentwickelt? Oder auch der Person, die es „nur“ weitergibt oder anwendet? Gibt es überhaupt so etwas wie „dein“ und „mein“ in Bezug auf Wissen? Ist Wissen nicht eine Allmende, also eine Form von für alle offenem Allgemeingut? Häufig macht das Bildungssystem den Anschein, dass dem nicht so sei. Was daran liegen mag, dass vielfach die Konzepte von Bildung und Erziehung unscharf neben und miteinander sprachlich verwendet werden sowie in der Praxis ebenso vermengt in Erscheinung treten. Kurz zur Erklärung: Erziehung bedingt eine klare hierarchische Rollenverteilung von erziehender Person (lat. educans) und zu erziehender Person (lat. educandus) bei der die Vormachstellung auf einem Wissensvorsprung ersterer beruht. Mit Bildung hingegen geht eine klare Form der Mündigkeit und Selbstbestimmtheit der Lernenden einher. Hier spielt das Hinterfragen, die individuelle Interpretation von Wissen eine zentrale Rolle. „Bildungserfolg“ ist heutzutage jedoch maßgeblich gekoppelt an einen „Erziehungserfolg“. Ein stückweit verloren geht damit die Chance Vergangenes zu hinterfragen, um Gegenwärtiges zu reflektieren und somit Zukünftiges zu gestalten. Diese Chance zu ergreifen, bedeutet digitale Bildung im Sinne einer Verbreitung von Wissen als etwas zu be- und ergreifen, das nicht (mehr) gehandelt, sondern geteilt wird – geteilt, um gemeinsam Zukunft zu gestalten. Diese Chance zu ergreifen bedeutet zugleich auch, für eine neue Form des Umgangs mit Irrtümern, Fehlern, Scheitern, … zu sensibilisieren. Konkret gilt es, eine digitale Bildungskultur zu etablieren, die Entwicklungspotenziale adressiert, die nicht dem Gelingen sondern dem Versuchen einen hohen Wert beimisst, da nur letzteres stets neue Lehren bereithält.

Der Erfolg von Bildung sowohl für die Institution als auch ihre Akteur*innen auf beiden Seiten des Pultes misst sich heutzutage im Gro daran, wie gut unterschiedliche Facetten des „Könnens“ vermittelt werden. Gemeint ist hier, inwiefern Fachwissen repetiert sowie Methodenwissen zur Anwendung gebracht werden kann. Mehr noch, das momentane Bildungssystem fokussiert auf die Suche nach Genies, die neuen technischen Innovationen den Weg bereiten. Die Evolution hat jedoch gezeigt, dass dies bereits zu Zeiten der urzeitlichen Nomadenvölker nicht gerade förderlich war. So bringen Genies zwar bahnbrechende neue Erfindungen hervor, sind jedoch wenig bis kaum fähig das Wissen um deren Entwicklung beziehungsweise Nutzung in ihre Gemeinschaft weiterzutragen. Wichtiger, jedoch weitaus weniger in unserem Bildungssystem geschätzt, sind die Nachahmer. Sie sind es jedoch, die in ihrer Gemeinschaft soziale Innovationen (i.S.v. neuen Verhaltensweisen) befördern, die es möglich machen, dass fachliches/methodisches Wissen in einer Gemeinschaft sich verbreiten sowie mit anderen Gemeinschaften geteilt werden und damit schlussendlich transformativ auf die Gesellschaft wirken kann.

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